Wertvolle Dialoge

„Ich denke, also bin ich.” sagte René Descartes. Diese „Erkenntnis“ hat unsere Kultur tief geprägt. Wir haben gelernt, dass nur zählt, was sich denken lässt. Der Preis ist hoch.

Leben wir diese Devise, zählen Körperlichkeit, Emotionen, Gefühle, Intuition, ganzheitliche Wahrnehmung… nicht. Nur das, was wir Denken nennen zählt: Argumente, logische Schlüsse, der Blick aufs Detail, „Wissenschaft“.

Verloren geht das Wissen darum, dass der Mensch nicht neben der Natur existiert, sondern Teil derselben ist, ein winziges Teilchen des Gesamtsystems. Wir verlernen Selbstwahrnehmung und Empathie, den Zugang zu Tieren und Pflanzen, zu Naturereignissen und Naturgesetzen und wir leiden (unbewusst) darunter, nur „ein halber Mensch“ zu sein.

In Gruppengesprächen äußert sich dieses Dilemma oft so, dass Gefühle, wie scheinbar unbegründete, „irrationale“ Bedenken, Ängste und Hoffnungen… als Sachargumente aber auch als Unterstellungen, Vorwürfe, Sarkasmus „getarnt“ daherkommen. Der Dialog wird zu einer „verkopften“ und/oder „konfliktschwangeren“ Diskussion. Das Eigentliche bleibt verdeckt. Sorgen und „Verletzungen der Seele“ werden nicht gespürt und/oder nicht benannt. Der Dialog ist wenig authentisch und bekommt kaum Tiefe, die Ergebnisse, soweit es nennenswerte gibt, stehen auf tönernen Beinen.

Deshalb kommt es darauf an, Dialoge zu gestalten und zu begleiten, die über das offensichtlich Denk-bare hinausgehen, echte Begegnung ermöglichen und so das für die Beteiligten Mach-bare in den Fokus rücken. Nur so können Vereinbarungen entstehen, die von allen mitgetragen werden (können).

Als Moral von der Geschicht’ könnte man in in Anlehnung an Antoine de Saint-Exupéry’s „Der kleine Prinz“ sagen:

 

„Man hört nur mit dem Herzen gut.“

 

Das spezielle „Hörrohr“ des Moderators ist Aktives Zuhören mit Fragetechniken, wie Fragen und Nachfragen, direkt Fragen und zirkulär Fragen. Die zur effektiven Nutzung erforderliche Haltung ist die des Konstruktivisten, der davon ausgeht, dass (soziale) Wirklichkeit immer eine höchst subjektive Wirklichkeits-Konstruktion ist und niemals objektiv und allgemeingültig.

Dadurch erweitert sich die Aufgabe der Moderation auf die Klärung von Interessen, Bedürfnissen, Wünschen und Erwartungen und der Frage, wie die Beteiligten damit umzugehen gedenken. Gelingt es, unter angemessener Berücksichtigung gegebener Sachzwänge, wirtschaftlicher Notwendigkeiten und strategischer Zielsetzungen, die individuellen Sichtweisen zu würdigen und die einzigartige Bedürfnislage der betroffenen Menschen in den Dialogprozess und die daraus resultierenden Maßnahmen einzubeziehen, entstehen wertvolle Dialoge.

Gutes Gelingen beim Ermöglichen wertvoller Dialoge
wünscht Ihnen/Euch/Dir,
josef seifert

 

PS: Im Professional-Modul im Rahmen des Curriculums zum MCP geht es um die Haltung in der Moderation. Das Modul kann auch einzeln gebucht werden.

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© Josef W. Seifert, 2026